Bergbaufolgelandschaft: Markkleeberger See

Bergbautechnikpark Großpösna

Herbst im Muldetal

Spitzi und Mäxle

In Höfgen

Schiffsmühle an der Mulde

Bergbautechnikpark u. Schleuse am See

 

Brockengipfel und Muskelkater passen gut zusammen

Man wird bekanntlich nicht jünger, je älter man wird. Wäre ja auch irgendwie ein Widerspruch. Und die biologischen Vorgänge im menschlichen, älter werdenden, Körper sind ja hinreichend bekannt. Wobei ich betonen möchte, dass ich auf den Begriff „älter werdend“ und nicht auf alternd bestehe! Also kann das bei mir nach Überschreiten der 60er-Grenze gar nicht so schlimm sein und ich bin noch so fit wie mit der Halbwertzeit? Dachte ich. Ich sage dazu nur: „Brockengipfel“.

Auf den Brockengipfel, an der Bremer Hütte vorbei.

Auf den Brockengipfel, an der Bremer Hütte vorbei.

Noch vor rund 30 Jahren bin ich in den Alpen auf Dreitausendern herumgekrochen, dann wird dieser 1141 Meter und 20 Zentimeter hohe Hügel doch wohl auch kein Problem darstellen. Dachte ich. Ich war ja noch nie auf dem Brockengipfel.

Das Wochenende verspricht schönes Wetter, ein Gutschein über ein Wochenende im Harz darf auch noch eingelöst werden, was spricht also dagegen, den höchsten Berg Norddeutschlands in Angriff zu nehmen. Quartier im Ilsenburger Hotel „Landhaus zu den Rothen Forellen“, Wander-Navi eingesteckt, ein kleiner Rucksack mit Regenschutz usw. gebuckelt und ab geht’s.

Ein großes Problem im Harz und auf dem Brockengipfel: Borkenkäferplage.

Ein großes Problem im Harz und auf dem Brockengipfel: Borkenkäferplage.

Stempelsbuche: abgesägt und doch nicht der Käferplage Herr geworden...

Stempelsbuche: abgesägt und doch nicht der Käferplage Herr geworden…

Von Ilsenburg flussaufwärts immer den Heinrich-Heine-Weg entlang, laut Beschreibung sind das nur 11 Kilometer. Landschaftliche Schönheiten wie die Ilsefälle wechseln sich mit weithin sichtbaren Umweltproblemen: durch die Borkenkäferplage sind große Teile des Nadelwalds zerstört. Hausgemachter Umweltskandal oder Naturkatastrophe? Einen interessanten Artikel dazu findet man auf der Homepage des NABU: Borkenkäfer im Harz-Nationalpark.

An der Bremer Hütte vorbei, einen Fußsteig entlang immer bergwärts führt die Wanderung teils steil, teils gemäßigt an der Hermannsklippe vorbei nach oben. Am Vorabend hatte uns ein Hotelangestellter noch erzählt, er ginge den Heine-Weg nicht so gerne, weil das letzte Stück „so blöd sei…“. Ich weiß jetzt nicht, was er damit meinte, weil gerade dieses letzte Stück im Grunde genommen doch fast eine Straße ist: breit ausgebaut mit so genannten Panzerplatten ist der Weg mit Sicherheit auch für größere Kraftfahrzeuge befahrbar. Vielleicht war das auch zu DDR-Zeiten so vorgesehen, schließlich konnte die damalige Firma „Horch & Guck“ vom Brocken aus weit ins westliche Feindesland sehen und hören. Ich weiß es nicht.

Auf Panzerplatten auf den Brockengipfel

Nach wenigen Metern wird uns klar, was der Angestellte meinte: Dieser verfluchte Weg wird so unfassbar steil und durch seine Bauweise dermaßen schlecht zu gehen, dass bei normalem Geradeauslauf die Waden eines leicht gealterten Sesselpupsers wegzufliegen drohen. Diese letzten drei Kilometer zum Gipfel ziehen sich quälend lange und leicht frustriert muss man noch ein dämliches Grinsen der Entgegenkommenden ertragen. Diese faulen Säcke fahren um teures Geld mit der Dampfeisenbahn den Berg hoch und gehen zu Fuß wieder runter. Schämt euch!

Nur mit Tricks kann der Brockengipfel (fast) ohne Touristen fotografiert werden.

Nur mit Tricks kann der Brockengipfel (fast) ohne Touristen fotografiert werden.

Endlich auf dem Gipfel, die nächste Erkenntnis: Alles unter zwei Meter Höhe ist nicht sichtbar, weil der Berg von Bahnfahrern gestürmt wird. Sie umlagern so ziemlich alles, was sich in Besitz nehmen lässt und nicht von ungefähr ist jeder Weg eingezäunt und mit Schildern versehen: „Gesperrt zum Schutz der Natur“. Was tun? Kompensation des salzhaltigen Wasserverlustes, auch Schweiß genannt, und das Wandernavi auf „bergab“ eingestellt. Um nicht die gesamte selbe Strecke zurück nach Ilsenburg laufen zu müssen, haben wir uns für die Route durch das Quellgebiet der Ilse entschieden. Allerdings ist dieser Weg vier Kilometer länger. Aber es geht ja bergab. Und zwar nur bergab und das ist wirklich so! 14 Kilometer bergab und die letzten drei, vier Kilometer nehmen kein Ende. Immer wieder muss ich kontrollieren, ob meine Zehen nicht schon die Schuhkappen durchgestoßen haben. Zumindest kommt mir das so vor.

Letzte Rast auf dem langen Weg nach Ilsenburg

Letzte Rast auf dem langen Weg nach Ilsenburg

Ich habe mir vor Jahren von Leipziger Kollegen – immer scherzhaft gemeint – anhören müssen, dass die NVA zu DDR-Zeiten in ständiger Bereitschaft lag und die westdeutsche Bundeswehr binnen kürzester Zeit überrannt hätte, weil diese ja ständig am Wochenende frei hatte. Wenn da nicht immer das Problem mit dem Sprit gewesen wäre…

Jetzt weiß ich aber auch warum der Abstieg vom Brocken nach Ilsenburg so elendig lang ist. Je länger es bergab geht, umso länger ließ es sich Sprit sparen in der Armee.

Übrigens: die Wanderung war an einem Samstag. Und noch am darauffolgenden Dienstag erinnerten mich meine Waden an den Brocken.
Ich glaube Hexen, insbesondere die Brockenhexe, können doch zaubern. Oder vielleicht verwünschen? Ich aber kann jetzt Hexen verfluchen!