Bergbaufolgelandschaft: Markkleeberger See

Bergbautechnikpark Großpösna

Herbst im Muldetal

Spitzi und Mäxle

In Höfgen

Schiffsmühle an der Mulde

Bergbautechnikpark u. Schleuse am See

 

In Italien

Urlaub in Apulien: Sie heißt Essig und „macht“ in Olivenöl.

 

P9206046_2Ein paar Gedanken über den Urlaub 2008 in Ostuni und über die Sinnhaftigkeit von Gästebucheinträgen in Ferienhäusern.
Wir kommen in das „Casa Primavera“ und finden als erstes eine deutsche Kaffeemaschine.
„Isse die Mario da?“ – der etwa 70 Jahre alte Nachbar Battista fragt mich in deutscher Sprache nach dem Hausherrn.
Wo sind wir bloß gelandet – ich denke wir sind in Italien, da stimmt doch überhaupt nichts zusammen?!
Aber es klärt sich alles auf! Die deutsche Kaffeemaschine ist schnell im Besenschrank verstaut und die Macchinetta für den original italienischen Espresso hervor gekramt. Sie steht ab sofort auf dem Gasherd bereit. Unmittelbar nach der Ankunft hatten wir uns entsprechend eingedeckt und der Urlaub kann beginnen: Ostuni wir kommen. Vor uns liegen drei Wochen zum Ausspannen, Erholen und Kraft tanken für das Leben im streng reglementierten und von Kehrwochen geplagten Deutschland.

Casa Primavera

Ich lese mir mal die Einträge im Gästebuch des Casa Primavera durch und staune darüber, was die Leute während der schönsten Zeit des Jahres so bewegt und umtreibt:

Hundegebell? Wo? Hier? Niente, nada, nix! Ja, ab und zu kläfft mal einer – aber das ist lange nicht so laut und nervend wie deutsche Hausfrauen die Zigaretten paffender Weise vor dem Kindergarten oder der Grundschule auf ihre Sprösslinge warten…
Rauchverbot in Bars und Ristoranti? Hier kein Thema! Das „menu“ oder die Tavola Calda hat genügend Gänge zwischen denen man auch mal rausgehen und sich in aller Ruhe eine Zigarette anzünden kann. Im „Bloody Mary“ (eine wunderbare Kneipe, gleich schräg gegenüber der Polizia di Stato, kann man sich mit Antonella auch vor der Türe unterhalten…
Chaotischer Verkehr? Dann haben sie das Prinzip nicht erkannt: man beachtet seine Fahrtrichtung – also sie beobachten das was vor ihnen geschieht und passen auf den vor ihnen Fahrenden auf. Hinter ihnen achtet ihr Hintermann(-frau) auf sie, welche(r) ja nach dem selben Prinzip (ver)fährt. Wie sonst könnte es sein, dass erst letzte Woche ein Ostunesi mit seinem Wolfsburger Kleinwagen von der Contrada Donnagnora nach Ostuni vor uns her fuhr und beide Außenspiegel eingeklappt waren. Der Mann kam garantiert nicht aus der Waschanlage!
Wenn aus der Seitenstraße unverhofft, dafür aber langsam und gemütlich, von links oder rechts einer einbiegt kostet sie das maximal 3 Millimeter Pedalweg für die Dauer von 1 – 2 Sekunden. Soviel Aufwand ist nötig um kurz das Gaspedal anzuheben und eine Lücke von drei Metern zum Einscheren für den Anderen zu schaffen. Sie fahren über 1000 Kilometer in den Urlaub und regen sich dann wegen drei Meter verlorenen Terrains auf? Typisch deutsch!
Zuviel oder unnötiges Hupen? Stimmt ganz einfach nicht, gehupt wird nur,
– um zu grüßen…
– um zu dokumentieren, dass man den Gruß wahrgenommen hat…
– um kund zu tun, dass man nicht gemeint sein kann, sondern der Vordermann…
– um anzudrohen, dass man zum essen vor dem Grundstück steht…
– um, anzukündigen, dass man die Einfahrt passiert hat und da ist…
– um zu frohlocken, dass man jetzt los fährt…
– um anzuzeigen, dass man das Grundstück wieder verlassen hat…
Ach ja, im Straßenverkehr soll und darf auch noch gehupt werden:
Steht ein italienischer Autofahrer telefonierender Weise an der roten Ampel – sie wissen ja, auch beim Telefonieren wird intensiv die Zeichen- und Gebärdensprache angewandt – ist das nicht weiter schlimm: der hinter ihm stehende (Prinzip siehe oben) übernimmt die Aufmerksamkeit und hupt, wenn die Anlage auf „grün“ schaltet. Damit ist der Vordermann(-frau) von den Gefahren im Straßenverkehr entlastet und kann sich voll und ganz seinem telefonino widmen.
Manchmal kommt es vor, dass italienische Behörden auf einem Straßenabschnitt „empfehlen“, andere Verkehrsteilnehmer nicht zu überholen. Dokumentiert ist diese Empfehlung mit dem selben Verkehrszeichen, das wir auch aus Deutschland kennen. Nur wird dort gleich mit dem keinerlei Spielraum lassenden Begriff „Überholverbot“ gearbeitet. Hier in Italien hat das Schild eigentlich mehr den Sinn, den (in Deutschland verbotener Weise) Überholenden aufzufordern, seine Fahrweise durch ein Hupzeichen (bei Nacht natürlich auch mittels Lichthupe) anzukündigen. Denn es könnte ja sein, dass ein vor ihm Fahrender ebenfalls überholen möchte und dann müsste der erste Überholer den zweiten Überholer auf der dritten Spur überholen weil ja der eigentlich zu Überholende auch noch Platz benötigt. Also wird ein paar Mal kräftig (licht-)gehupt und alles ist wieder im Lot.
Sie können auch an der Intensität des Huptons erkennen wie der Ernst der Lage ist: ein kurzes fröhliches Hupen ist eine wohlwollend gemeinte Aufforderung und wird meist mit einem ebenso kurzen Hupen gedankt. Wird der Hupton ein wenig länger, entspricht das schon eher einer gelben Karte im Fußball. Fast schlimmer als die Wiederwahl Berlusconis ist für einen Italiener eine lange, intensiv und damit zornig klingende Hupe: falls Sie damit gemeint sind, sollten sie sich schleunigst mindestens aus dem Hörkreis der Hupe verziehen. Und sollten sie erkennen, dass ihr italienischer Vordermann hupt – aber sie als Hintermann meint, sollten sie sofort rechts ran fahren, stehen bleiben und ihren Autoschlüssel einer anderen Person überlassen – denn dann haben sie sich aus welchen Gründen auch immer (Prinzip siehe oben) den Zorn der italienischen Nation zugezogen. Oder es ist ihr Nachbar und möchte nur wissen: „Isse die Mario zuhause?“
Ach ja: sie heißt Essig und „macht“ in Olivenöl: Herzlichen Dank an Simone Essig und Mario Susca für das tolle Ferienhaus und vor allen Dingen für den Willkommensgruß! Die Flasche selbst gepresstes Olivenöl aus eigener Ernte vom Grundstück des Casa Primavera wissen wir zu schätzen. Als begeisterte Anhänger der italienischen Küche haben wir – gegen Bezahlung selbstverständlich – gleich noch einen großen Kanister dazu bestellt. Fallen wir beim Verbrauch von Olivenöl schon in die Kategorie „Großverbraucher“…?
Unser Fazit nach drei Wochen: die beiden Ferienhaus vermietenden Hobby-Olivenbauern sind schon eine Klasse für sich und passen in die Welt. Weitere Informationen über das Ferienhaus können sie auch über www.Casa-Primavera.de abrufen