Bergbaufolgelandschaft: Markkleeberger See

Bergbautechnikpark Großpösna

Herbst im Muldetal

Spitzi und Mäxle

In Höfgen

Schiffsmühle an der Mulde

Bergbautechnikpark u. Schleuse am See

 

Italienische Polizei – gemeinsam gegeneinander?!

Lamborghini der italienischen Polizei
(Foto: poliziadistato.it)

Der Begriff Polizei hat in Italien eine weiter gehende Bedeutung, als wir ihn aus dem Deutschen kennen. Auch die einzelnen Polizeizweige unterscheiden sich deutlich. Während bei uns in Deutschland die Polizei im Grunde genommen aus der Bundespolizei, dem früheren Bundesgrenzschutz, und aus der Länderpolizei und den Ortspolizeibehörden besteht und Institutionen wie Zoll oder Justiz eigenständige Behörden sind, wird das in Italien alles unter dem Oberbegriff „Polizei“ zusammengefasst. Da gibt es die Polizia di Stato, die Polizia Stradale, die Polizia Communale, die frührere Vigili Urbani, die Guardia di Finanza und die Carabinieri; um nur einige zu nennen. Und während man mit den Kollegen der kommunalen Polizei, den Vigili, doch recht schnell in Kontakt kommt, ist das zum Beispiel bei der Polizia di Stato schon ein wenig schwieriger. Und am meisten verschließen sich Carabinieri und Guardia di Finanza. Sie lassen sich am wenigsten in die Karten schauen.

Aus der guten alten Zeit:
Vigili Urbani (heute Polizia Communale) in Bassano del Grappa, etwa um 1980
(Foto: HS)

Auch untereinander können die einzelnen Polizeizweige nicht so richtig miteinander. Am meisten belächelt werden die Vigili. Ihnen traut man am wenigsten zu und auch die Bevölkerung nimmt sie nicht so richtig ernst und stempelt sie als Strafzettel verteilende Statisten ab.

So konnte ich auf der Piazza Libertá  in meinem apulischen Urlaubsziel Ostuni beobachten, dass ein Autofahrer sein Gefährt kurz auf dem Fußgängerüberweg abstellte um ein paar Besorgungen zu machen. Die Fußgänger störte das wenig, waren sie doch moralisch schon nicht mehr verpflichtet, den Überweg zu nutzen und hatten jetzt ja sogar geradezu die Verpflichtung, die Straße dort zu queren, wo es ihnen genehm erschien. Die einzige, die sich über derartigen zivilen Ungehorsam aufregte, war die Dame von der Polizia Municipale, der Stadtpolizei. Ein energischer Pfiff mit der Trillerpfeife sollte den Falschparker zur Ordnung rufen. Zehn Sekunden später ein zweiter Pfiff, und nach dem dritten Ordnungsruf erschien dann auch unser verkehrsrechtlicher Störenfried eiligen Schrittes. Er winkte der uniformierten Dame mit der Linken freundlich zu und begrüßte mit der rechten Hand einen Bekannten auf der anderen Straßenseite. Offensichtlich hatte er diesen schon längere Zeit nicht mehr gesehen, denn er verschwand mit ihm intensiv plaudernd in der nächsten Bar. Das Winken an die Staatsmacht diente einzig und allein dem Signalisieren, dass man sehr wohl erkannt hat, dass die Ordnungshüterin einen Verkehrsverstoß geahndet und somit ihre Aufgabe voll und ganz erfüllt hat. Die Kollegin wiederum hatte aus ihrer Sicht mit den energischen Pfiffen auch alles richtig gemacht, sie konnte nicht mehr weiter tätig werden, da sie ihrer Freundin anrufen musste um ihr die neuesten Geschichten über die italienischen Verkehrsrowdys zu erzählen.

Und die Fußgänger konnten den Überweg immer noch ignorieren, alle waren zufrieden und die öffentliche Sicherheit und Ordnung waren wieder oder immer noch hergestellt.

Guardia di Finanza
(Foto: Wikipedia)

Ganz anders die Guardia di Finanza. Originär für finanz- und zollrechtliche Aufgaben zuständig und für die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität eingesetzt. Sie sind in der Bevölkerung nicht nur respektiert sondern auf ihrem Gebiet auch regelrecht gefürchtet. Und so geriet die Stadt eines Abends in hellen Aufruhr als eine uniformierte Streife der Finanzer in den engen Straßen der Altstadt Falschparker mit Verwarngeldern rügte. So etwas hat es ja noch nie gegeben! Die Finanzpolizei kümmert sich um Parksünder! In der engen Straße war es bis dahin üblich, trotz Haltverbot halb auf dem Gehweg, halb auf der Straße zu parken um kurz etwas einzukaufen, Bekannte zu begrüßen oder einen Kaffee einzunehmen. Länger als eine halbe Stunde parkt man ja sowieso nicht und die paar Minuten werden ja noch nicht den Verkehr zum Erliegen bringen. Außerdem kam der Verkehr nicht durch die Falschparker zum Erliegen, sondern durch den Auflauf, den die Finanza mit ihrem Einschreiten verursachte. Und ein Fußgänger konnte sich ja immer noch auf dem Gehweg zwischen Hauswand und Auto durchzwängen, ohne auf die Straße ausweichen zu müssen.

Um so schlimmer war das Tätigwerden der Finanza. Da nützte auch das freundliche Zuwinken, das zuvor auf der Piazza geholfen hatte, nichts. Die Staatsmacht war gnadenlos und kassierte alle Falschparker ab, die ihren fahrbaren Untersatz nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Dass die lieben Finanzpolizisten ihr Dienstfahrzeug aber so auf dem Gehweg abgestellt hatten, dass sich Fußgänger nicht mal mehr zwischen Hauswand und Auto durchquetschen konnten, war nebensächlich.

Markt in Ostuni, Apulien

Die Polizia Communale ist auch zuständig für marktrechtliche Angelegenheiten, kontrolliert die Einhaltung der vorgegebenen Standgrößen und kassiert die Marktgebühren.
(Foto: HS)

Große Ereignisse zeigen die gesellschaftliche Stellung der Polizei am besten.

Sind in einer Stadt neben der überall vorhandenen kommunalen Polizei auch ein Kommissariat der Polizia und zusätzlich eine Stationen der Carabinieri oder Finanzpolizei angesiedelt, sind diese Dienstzweige auch bei allen öffentlichen Veranstaltungen mit einer Abordnung vertreten. Aber nicht, dass sie denken, die würden dann zusammen als Polizei auftreten. Weit gefehlt. Nach einer kurzen förmlichen Begrüßung steht jeder Dienstzweig in einer anderen Ecke des Platzes (fast alle Veranstaltungen finden im Süden im Freien statt) und jeder ignoriert jeden. Die Zusammenarbeit beschränkt sich auf das dienstlich unbedingt Notwendige. Und so hat auch jede Polizei ihre eigene Lokalität um ihren Besprechungskaffee vor, während und nach der Streifentätigkeit oder Auftragserledigung einzunehmen.

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, dass sich beispielsweise ein Angehöriger der örtlichen Carabinieri im Dienst oder auch privat in eine Bar begibt, in der die Vigili von der Stadtverwaltung verkehren. Und umgekehrt auch, das lässt der Stolz und vor allen Dingen auch der Korpsgeist nicht zu.

In Deutschland habe ich noch nie erlebt, dass Kriminal- und Schutzpolizei oder Bundes- und Landespolizei nicht (außerhalb des Dienstes!) mal  in einer Bar zusammen ein Bierchen trinken gehen. Und auch während des Dienstes sind sich diese Sparten immer einig – oder?